Der Rückschnitt am Bonsai

Der Formschnitt

Das Zurückschneiden der Triebe wird bei den Zimmerbonsais fortwährend vorgenommen. Je nach Pflanzenart und Jahreszeit werden die Triebe, sobald sie 4 bis 15 cm lang gewachsen sind (je länger man den Trieb wachsen lässt, desto dicker wird er), auf ein bis drei Knospen zurückgeschnitten. Ob die erste, zweite oder die dritte Knospe stehen gelassen wird, hängt unter anderem von der gewünschten Wachtumsrichtung, dem Abstand zwischen den Knospen und der Blatt- bzw. Knospenstellung ab.

Der Rückschnitt der Triebe sollte unbedingt mit einer Bonsaischere durchgeführt werden, um eine saubere Schnittstelle zu gewährleisten. Diese Spezialwerkzeuge haben sehr scharfe Klingen und weisen im Gegensatz zu anderen Scheren einen Schliff auf, der die weichen Triebe nicht quetscht. Es gibt grosse Qualitätsunterschiede beim Bonsaiwerkzeug, was auch die zum Teil grossen Preisunterschiede bei den Händlern erklärt. Eine gute Bonsaischere erleichtert nicht nur das Arbeiten am Bonsai, sondern lässt die Schnittstellen schneller und besser verheilen.

 Knospen-, Blattanordnung gegenständig – wechselständig

Gegenständige Blattstellung: Die Blätter/Knospen sind gegenüberliegend angeordnet, es stehen immer zwei Blätter mit den Knospen auf gleicher Höhe, man spricht dann von Blattpaaren. Gegenständig angeordnete Blätter, z. B. bei: Liguster, Portulacaria, Olivenbaum, Serissa

Wechselständige Blattstellung: die Blätter und Knospen sind abwechslungsweise links und rechts angeordnet. Wechselständig angeordete Blätter z. B. bei: Carmona, chin. Ulme, Ficus, Murraya, Pfefferbaum

Wozu sind die Knospen da?    

Knospen dienen dem Wachstum und der Verzweigung der Pflanze. Zum Austrieb angeregt werden sie unter anderem durch das Zurückschneiden.   

Knospen bei gegenständiger Blattanordnung (Beispiel Serissa). Die Knospe sitzt in der Blattachsel. Fällt das Blatt aus irgend einem Grund ab, ist die Knospe immer noch vorhanden. Die Knospe selbst ist kaum oder gar nicht sichtbar. Sie befindet sich jeweils oberhalb der Blattrille.

Knospen bei wechselständiger Blattanordnung (Beispiel chinesische Ulme). Die Knospe sitzt auch hier in der Blattachsel. Bei Blattverlust sind die Knospen am Trieb meistens von Auge sichtbar. Sie befinden sich oberhalb der Blattrillen.     

Der Formschnitt an Bonsais mit gegenständiger Blattanordnung

Nachdem ein Trieb mehrere Zentimeter gewachsen ist, schneidet man ihn bei den meisten Bonsaiarten auf das erste Knospenpaar zurück. Falls der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar nur zwei, drei Millimeter beträgt, kann gegebenenfalls das zweite Knospenpaar belassen werden. Da bei der gegenständigen Blattanordnung bei der Schnittstelle immer zwei Knospen sitzen, können auch beide austreiben (Doppeltrieb). Dabei wird der eine Trieb meistens länger als der andere, es kann mitunter vorkommen, das nur eine Knospe austreibt.

In der Regel schneidet man auf das erste Knospenpaar zurück.

Meistens ist der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar zu lang, deshalb wird auf das erste Knospenpaar zurückgeschnitten, was eine feine Verästelung bewirkt.

Da der Abstand bei diesem Beispiel zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar sehr klein ist, kann man auf das zweite Knospenpaar zurückschneiden.

Nach dem Schnitt bei Pflanzen mit gegenständiger Blattanordnung sind zwei Knospen an der Triebspitze, welche beide austreiben können. Wobei in der Regel der eine Trieb lang auswächst, während der andere kurz bleibt oder gar nicht austreibt.

Der Formschnitt an Bonsais mit wechselständiger Blattanordnung

Wenn die Triebe einige Zentimeter lang gewachsen sind, schneidet man sie auf die erste, zweite oder allenfalls dritte Knospe zurück. Ob man sich für die erste oder die zweite Knospe entscheiden soll, hängt von der gewünschten Wachstumsrichtung ab. Um eine harmonische Form zu erhalten, sollten alle Triebe vom Stamm weg wachsen sowie eher waagrecht als senkrecht wachsen.

Wenn Sie auf die 1. oder 3. Knospe zurückschneiden, wächst der neue Trieb nach links. Wenn Sie bei der 2. Knospe zurückschneiden, wächst der neue Trieb nach rechts.

In diesem Beispiel schneidet man auf die 2. Knospe, damit der Neuaustrieb in die Gegenrichtung wächst und der Ast dadurch eine harmonische Bewegung bekommt.

In diesem Beispiel sind die Knospen so angeordnet, dass die erste Knospe nach unten weist, die zweite nach oben und die dritte wiederum nach unten.

In solch einem Fall wird immer auf eine nach unten weisende Knospe zurückgeschnitten.

Würde auf eine nach oben weisende Knospe zurückgeschnitten, würde der Neuaustrieb senkrecht nach oben wachsen. Schneidet man hingegen auf die nach unten weisende Knospe zurück, wächst der neue Austrieb in einer harmonischen waagrechten Richtung.

Überstehende Aststummel werden mit der Knospen- oder Konkavzange dicht am Ast abgeschnitten. Die spezielle Klingenform dieser beiden Werkzeuge hinterlässt eine Vertiefung im Stamm, welche durch den sauberen Schnitt gut verheilen kann. In diesem Beispiel wurde die Knospenzange angewandt.

Kleinere Überstände an den verholzten Trieben werden mit der schmalen Konkavzange weggeschnitten.

Äste, die ganz entfernt werden sollen, schneidet man dicht am Stamm mit der grossen Konkavzange oder der grossen Knospenzange ab. Grössere Schnittstellen sollte man verschliessen, z. B. mit Baumkitt oder Wundpaste.


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